Pflanzen-/Tierwelt
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Manche mögen's heiß - Pflanzen und Tiere auf dem Petersberg

Viel Sonne, wenig Niederschlag und kalkhaltiger Lössboden sind die Voraussetzungen für das Vorkommen seltener Pflanzen im südlichen Rheinhessen. Auch wärmeliebende Tierarten haben hier ihren Lebensraum. In der vom Weinbau geprägten Region hat der Petersberg als Refugium für bedrohte Arten eine hohe Bedeutung.

Die Zwerg-Kirsche (Prunus fruticosa) sieht der Schlehe zum Verwechseln ähnlich. Am besten erkennt man die einen halben bis einen Meter hohen Sträucher Anfang Juni an ihren erbsengroßen, korallenroten Kirschen. Auch hat der kleine Strauch aus der Familie der Rosengewächse keine Dornen. Die Blättchen sind dunkelgrün und besitzen im Gegensatz zur Schlehe eine glänzende Oberseite. Die Zwerg-Kirsche ist ein Bewohner der Steppen von Ost-Kasachstan bis Ungarn. In Deutschland ist sie selten und stark gefährdet. Die Hauptvorkommen liegen in Rheinhessen. Hier wächst der Wärmezeiger an Lösskanten, Hohlwegen und Bahndämmen. Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft, Verbuschung und Ablagerungen beeinträchtigen die Bestände.

  • Zwerg-Kirsch_Blueten_CLehr
  • Zwerg-Kirsche_Fruechte_H-JDechent
  • Zwerg-Kirsche_Strauch_CLehr

Der Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) ist ein Überlebenskünstler. Mehr als einen Meter tief reichen seine Wurzeln in den Boden. Damit hat sich der niedrige Halbstrauch perfekt an seinen Lebensraum im Kalk-Trockenrasen angepasst. Auch die zottige Behaarung schützt gegen die Sonne. Der Gamander zählt zu den Lippenblütlern (Lamiaceae) und blüht von Juli bis September. Die charakteristischen Blüten ohne Oberlippe sitzen in den Achseln der ovalen Blättchen und sind rosaviolett gefärbt. Die frühere Verwendung als Heilpflanze hat dem Gamander den Beinahmen "Edel" verliehen. Als Tee oder Würzwein soll er die Verdauung stärken und gegen Gicht und Husten wirken.

  • EdelGamander1CLehr
  • EdelGamander2CLehr
  • EdelGamanderimBiotopCLehr

Einst galt die Zauneidechse (Lacerta agilis) als Kulturfolger. Durch Intensivierung der Landwirtschaft und steigenden Flächenverbrauch wurde sie immer mehr in die Randbereiche der Kulturlandschaft zurückgedrängt. In Rheinhessen findet man die Reptilienart heute noch in Magerrasen an besonnten Böschungen, Bahndämmen und in Abbaugebieten. Die wechselwarmen Tiere brauchen auf engstem Raum Steine und Totholz zum Sonnen, dichte Vegetation zur Deckung und Schlupflöcher zum Überwintern. Gut getarnt jagen sie im niedrigen Gras nach Insekten und Spinnen. Die Weibchen legen ihre Eier in lockeres Substrat. Das Ausbrüten übernimmt die Sonne.

  • Zauneidechse1_CLehr
  • Zauneidechse2_CLehr
Der Bastard-Mohn (Papaver hybridum) wird wegen seine borstigen Kapselfrucht auch Krummborstiger Mohn genannt. Er ist in Deutschland stark gefährdet und in einigen Bundesländern bereits ausgestorben.
  • Bastard-Mohn_F-OBrauner
Die Blüten der Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) bieten Nektar für Schmetterlinge und Wildbienen.
  • Skabiosen-Flockenblume_CLehr
Der schwirrende Gesang der Zweifarbigen Beißschrecke (Metrioptera bicolor) entsteht durch Reiben der Flügel gegeneinander.
  • ZweifarbigeBeissschrecke_CLehr
Die Weiße Turmschnecke (Zebrina detrita) ist eine Art der Kalk-Trockenrasen, die in Rheinhessen bevorzugt südlich exponierte Böschungen und Raine besiedelt.  
  • WeisseTurmschnecke_CLehr
Nur Insekten mit einem mindestens 12 mm langen Rüssel kommen "legal" an den Nektar der Spargelerbse (Lotus maritimus). Die anderen Arten müssen in die Blüte einbrechen.
  • Spargelerbse_F-OBrauner

Die Wild-Tulpe (Tulipa sylvestris), welche auch Wald-Tulpe oder Weinberg-Tulpe genannt wird, gehört zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae) und wurde zur Blume des Jahres 1983 gewählt.


In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gau- Odernheim, der Naturschutzgruppe Gau-Odernheim e. V. sowie der Kreisverwaltung Alzey-Worms wurden 1985 die Wild-Tulpen unter Naturschutz gestellt, um den Fortbestand in den Weinbergen „Am Lieberg“ dauerhaft zu sichern. Die Wildtulpen sind nach der Bundesartenschutzver-ordnung besonders geschützt und gelten gemäß der Roten Liste als stark gefährdet.

t.

Verbreitung
Es ist die einzige in Deutschland wild vorkommende Tulpenart. In Europa sind etwa 11 Tulpen-Arten heimisch. In den Weinbergen
von Gau-Odernheim findet man die größte Ansammlung von Wild-Tulpen nördlich der Alpen. Ihre Einführung als Zierpflanze
nach Mitteleuropa erfolgte von Italien aus im 16. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit verwilderte sie, daher findet man die insgesamt seltene Art am ehesten am Rand alter Gartenkulturen oder in Weinbergen. In Deutschland meist nur an besonnten Standorten blühend. Die Pflanze bevorzugt als Standorte Wälder, Gebüsche,
Hecken und Weinberge.

Beschreibung
Die mehrjährige Tulipa sylvestris erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 60 cm. Ihre schmal-lanzettlichen oder linealen Blätter sind blaugrün gefärbt und weisen eine Länge von 15- 30 cm sowie eine Breite von 1-2 cm auf. Gewöhnlich werden drei Blätter ausgebildet,
in seltenen Fällen können sie auch zu viert stehen. Die Pflanze entwickelt duftende, glockenähnliche dreizählige Blüten.


Die nach vorne spitz zulaufenden Blütenblätter sind an ihrer Innenseite leuchtend gelb gefärbt, die Außenseite weist bisweilen eine grünliche oder rötliche Tönung auf. Die zwittrige Blüte erreicht mit ihrenungleich langen, am Grund behaarten Perigonblättern eine Länge von
ca. 4-6 cm. Das Perigon ist in der Sonne zu einem 7 bis 8 cm großen gelben Stern ausgebreitet. Die Blütezeit liegt zwischen April und Mai. Vegetative Vermehrung erfolgt durch Ausläufer und Zwiebeln.

 

 

Text: Dr. Corinna Lehr

Fotos: Dr. Corinna Lehr, Hans-Jürgen Dechent, Franz-Otto Brauner (Autoren und Titel der einzelnen Fotos siehe auch IPTC-Daten)

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